Gemeinde Odenthal
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Rede der Schulleiterin, Frau Schmoll-Engels, zur Lage der Schule anläßlich der Elterninformation am 10.11.2008

Seit einigen Jahren leite ich das Gymnasium Odenthal. Die Aufgabe in den vergangenen Jahren bestand darin, eine kleine Schule im Aufbau sozusagen erwachsen werden zu lassen, viele neue Schülerinnen und Schüler sowie Kolleginnen und Kollegen aufzunehmen, die ersten Abiturjahrgänge zu entlassen, Strukturen größerer Systeme einzuführen, Bau- und Ausstattungsaktivitäten zu unterstützen und die Routinen erfolgreicher Gymnasien zu entwickeln, ohne Verkrustungen zuzulassen.

So wurde heftig gebaut, eingerichtet, gestaltet und saniert. Die PCB-Sanierung ist lange abgeschlossen, die Räume sind ausreichend für ein vierzügiges Gymnasium und die Ausstattung kann als außerordentlich bezeichnet werden. Aber fertig sind wir nicht, zurücklehnen können wir uns schon gar nicht. Der Ausbau zum Ganztagsbetrieb aller Schulen des Landes verlangt nach einer Mensa und unsere Heizung im Altgebäude muss saniert werden. Was für die Rahmenbedingungen, die Gebäude und die Ausstattung gilt, kann man auf die Herausforderungen der Pädagogik übertragen. Das kleine Gymnasium Odenthal  hatte in der Gründungsphase Besonderheiten, was die Größe, Herkunft und Identität des Kollegiums, die Strukturen, das pädagogische Verständnis, das Nischendasein und die Freiheiten angeht. Inzwischen sind wir mit beiden Beinen auf dem Boden und bei jeder Menge Arbeit in wohlgeordneten Bahnen einer mittelgroßen Schule angekommen. Neue Herausforderungen werden angenommen und bearbeitet: Unser Konzept GO+plus, die individuelle Förderung, wird aktuell erweitert werden müssen. Wir werden den Ganztagsbetrieb sinnvoll zu gestalten haben, unser Motto „Natur und Kultur“ ist jährlich mit Veranstaltungen und Projekten zu füllen, die tägliche Unterrichtsarbeit ist an unsere Schülerschaft und die Bedingungen der verkürzten Schulzeit anzupassen u. v. a. m.

Das Gymnasium Odenthal befindet sich wie alle lebenden und lebendigen und dabei komplexen Systeme ständig im Fluss. Ich spreche gerne von einem Fließgleichgewicht, das Schulleitung, Kollegium und die Schulgemeinschaft in Verantwortung suchen und finden sollten. Die parallelen, ineinandergreifenden Prozesse dienen allein dem Ziel, Schülerinnen und Schüler fit zu machen für die Herausforderungen ihres Lebens und ihrer Berufswelt, wobei ich gerne betone, dass es um die Fähigkeit und Bereitschaft geht, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Dieser Anspruch geht über Diskussionen zu den neurobiologischen Erkenntnissen zum Lernen und über den Zugriff der Wirtschaft auf Schulen hinaus. Er basiert auf dem christlich-humanistischen Menschenbild der Freiheit – nicht zu verwechseln mit Freizügigkeit -, wobei sich der Einzelne entscheiden kann, ob er zu Liebe oder Hass in dieser Welt seinen Beitrag leistet.

Trotz der ständigen Entwicklung gibt es Konstanten, die das Gymnasium Odenthal charakterisieren:

überschaubar: Wir sind wegen der Gebäudegröße ein vierzügiges Gymnasium mit bis zu 900 Schülerinnen und Schülern. Die Vierzügigkeit ermöglicht ein breites Differenzierungsangebot, ohne dass sich Kinder und Jugendliche in der Masse eines anonymen Riesenbetriebs verlieren. Man kennt sich.

freundlich: Beim Betreten unseres Geländes wird es schon deutlich. Unsere Schule ist liebevoll gestaltet und empfängt Besucher, Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern auf ihre eigene Art.  Der ins Grün und die Dhünnaue eingebettete, campusartige Gebäudekomplex bietet eine kindgemäße und lebensfreundliche Atmosphäre. In der Gestaltung wird eine Grundhaltung deutlich, nämlich die Wertschätzung für die dem Gymnasium Odenthal Anvertrauten. In der unmittelbaren Begegnung wird diese Wertschätzung schnell deutlicher, auch beispielsweise dadurch, dass wir Kommunikationstraining mit unseren Klassen 7 und 8 durchführen oder es Projekte im Rahmen „Gesund leben im Lebensraum Schule“ gibt. Unsere Schülerinnen und Schüler kommen überwiegend aus Elternhäusern, in denen Erziehung noch eine Rolle spielt. Sie sind sich nicht selbst überlassen und die Kommunikation ist auf Verständigung und auf Ausgleich angelegt und berücksichtigt Entwicklung. Am Gymnasium Odenthal gibt es natürlich das ein oder andere erzieherische Problem, aber wir haben wohl das Glück, eben kein sozialer Brennpunkt zu sein. Uns fallen von daher die Rosinen sozusagen in den Kuchen.

bestens ausgestattet: Unsere Rahmenbedingungen sind außergewöhnlich gut. Neben dem Schulträger haben der Förderverein, Sponsoren und das Land Unsummen für die Bildungsbedingungen in Odenthal investiert. Der unmittelbare und verantwortliche Umgang der Schulleitung und des Kollegiums mit den Finanzmitteln im Rahmen der Budgetierung kann als modellhaft bezeichnet werden.

örtlich: Wir verstehen uns, wie unser Name schon sagt, als das Gymnasium Odenthal. Der Ort mit seinen Strukturen ist uns wichtig, und wir sind bemüht, zahlreiche örtliche Gegebenheiten mit einzubinden. Die freundschaftliche Zusammenarbeit mit der Hauptschule und den Grundschulen Odenthals  ist für uns selbstverständlich. Eine Projektwoche Altenberg, die Mitarbeit in sozialen Gemeindeprojekten, die Musik- und Kulturprojekte und die Zusammenarbeit mit den Ortsvereinen zeigen beispielsweise unsere Verbundenheit und Aufgeschlossenheit.

jung: Eine Schule ist immer jung, wir sind aber noch etwas jünger. Unser Gymnasium wurde 1992 gegründet. Das Kollegium ist ständig gewachsen und die Neuzugänge wurden überwiegend aus den Reihen der Berufsanfänger rekrutiert. Diese Lehrerschaft ist in ihrer Ausbildung auf die stark gestiegenen Anforderungen des Lehrerberufs vorbereitet worden und geht mit Schwung und überaus kooperativ und engagiert ans Werk. Die wenigen Älteren, die aus ihrer langjährigen Berufserfahrung schöpfen können, leisten ihren Beitrag durch gelassene Unterstützung und Weitblick.

selbst ständig lernen: Wir werden uns niemals zurücklehnen, auch wenn wir stolz auf Erreichtes sein können. So wie wir am Modell „Selbstständige Schule“ teilgenommen haben, stellen wir uns der Außenevaluation im Projekt „SEIS“, weil wir uns als lernende Organisation verstehen, die Qualitätssicherung ernst nimmt und selbstreflexiv Optimierung findet. Was für die Lehrerschaft gilt, ist ebenso auf das Lernen der Schülerinnen und Schüler anzuwenden. Wir bemühen uns, einen hohen Anteil des Unterrichts so zu gestalten, dass die Lernenden motiviert, selbst gestaltend und aktiv lernen.

lebendig: Ein Blick auf unseren Veranstaltungskalender und auf den Terminplan zeigt, dass wir ein ausgesprochen lebendiges Schulleben bieten. Daran sind ganz wesentlich unsere engagierte Schülermitverwaltung und unsere unterstützende Elternschaft beteiligt. Über den Unterricht hinaus werden zahlreiche Arbeitsgemeinschaften angeboten. Unseren Kulturschaffenden fällt erstaunlich Kreatives ein. Kunst, Musik, Theater werden bei uns groß geschrieben.

erfolgreich: Das Abschneiden bei den zentralen Prüfungen ist nicht alles, weil Schule auf das Leben vorbereiten soll, und dieses hält wahrlich mehr Anforderungen bereit, als das Abschneiden in Deutsch, Mathematik oder Englisch. Da es aber nur wenige Indikatoren gibt, die uns Rückmeldung geben könnten, ob das Gymnasium Odenthal gut aufgestellt ist, kommen uns die zentralen Prüfungen gelegen. Sie bescheinigen uns exzellente Unterrichtsarbeit, da das Gymnasium Odenthal in allen Bereichen weit über dem Landesdurchschnitt liegt. Wir erreichen die Ergebnisse über solide, fachliche Arbeit und unsere Lehrkompetenzen. Mir liegt viel daran, Solidität und Klarheit der Anforderungen gegenüber so mancher Illusionspflege zu betonen. Deshalb setzen wir auf systematische Qualitätssicherungsstrategien und für die Schülerinnen und Schüler auf fein abgestimmte Methodenschulungen kombiniert mit sozialem Lernen in einem lebendigen Schulleben.

Aber wie schon gesagt: Wir werden und können uns nicht zurücklehnen und das hohe Ross der ein oder anderen pädagogischen Richtung oder Ideologie werden wir auch nicht besteigen. Ich wünsche uns, dass wir unser Fließgleichgewicht im konkreten Handeln, Lehren und Lernen immer zum Wohle der uns Anvertrauten finden.

 

Odenthal, den 10. November 2008

Schmoll-Engels, Schulleiterin